Dr. Heidrun Wirth, Kunsthistorikerin und Journalistin

 

Wie ein Atmen durch alle Poren

 

1. Die Entstehung

So liegt die feine Spitzendecke nach einer Verwandlung in Ornamente aus braunem Kaffeesatz  draußen auf den Steinplatten meiner Terrasse. Jeden Tag verändert sie ihr Gesicht. Sie führt den Prozess selbsttätig weiter, den Margret Schopka initiiert hat.

Es begann am Montag, dem 8. Januar 2018.

Margret Schopka kommt zu mir ins Haus und wählt eine meiner Spitzendecken aus. Es ist genau diejenige, die mir mein Sohn Peter von seiner jugendlichen Abenteuerreise  vor vielen Jahren aus Mexiko mitgebracht hat. „Mami, ich konnte nicht anders, ich habe die  Decke einer alten Frau abgekauft, ich hoffe, sie gefällt Dir“.  Seitdem ist die Runddecke mit ihrem großen Aztekengesicht in der Mitte in meinem Schrank in einem der unteren Fächer verschwunden.

Die Künstlerin hat sie aus einer Reihe von anderen Spitzendecken ausgewählt, die sich   durch die Jahrzehnte bei mir als Erbstücke oder als Mitbringsel aus Urlauben  gesammelt haben. Sie breitet die Decke auf der Terrasse aus. Das Gitter der Abflussrinne im Terrassenboden zieht sie bewusst mit ein,  indem sie das Rund zu einem Teil darüber legt. Dann geht sie an die Arbeit.

 

Den Kaffeesatz hat sie mitgebracht. Das Sieb ist ein ganz normales kleines Teesieb. Sie beginnt in der Mitte. Der bräunliche Puder rieselt durch, bestäubt die Mitte und weiter wird er in gleichbleibenden Bewegungen mit gleichbleibender Geduld aufgetragen. Der ruhige gleichmäßige Vorgang erinnert mich an das buddhistische Tun,  das im beständigen Wiederholen einfachster Verrichtungen seinen Sinn findet, eigentlich ohne Ego-Ansprüche.

Und plötzlich verstehe ich, dass das ganze Kunstwerk,  schon allein deswegen „ohne Ego-Ansprüche“ ist, weil es zu nichts Bleibendem führt. Es wird hergestellt und wieder aufgelöst, indem es nach der Fertigstellung aufgefegt werden soll. Warum? Um dem Wind und dem Regen zuvorzukommen?

Warum? Warum hat Christo den Reichstag verpackt? Warum hat die niederländische Künstlerin Scarlett Hooft Graafland in der kolumbianischen Wüste ihre „Skulpturen“ und „Installationen“ inszeniert, die sie nach dem Foto-shooting wieder zurückgebaut hat? Warum gibt es überhaupt zweckfreie Kunst?

Mit dem kreisförmigen Einsieben zieht Margret immer größere Kreise, und, da der Umfang dabei immer größer wird,  dauern die Umrundungen immer länger, doch schließlich ist die gesamte Spitzendecke mit einer Schicht braunen Kaffeepulvers überzogen. Ein bisschen duftet er übrigens noch, der aufgetragene Kaffeegrund.

Man muss wissen, dass Margret Schopka islandgeprägt ist. Sie verbringt dort regelmäßig die Sommer. Dabei setzt sie sich einer Landschaft aus, in der die Elemente rein und kompromisslos zu Tage treten.  Das  Meer mit dem Meeressaum steht für das Wasser,  das vulkanische Gestein mit der allerfeinsten Vulkanasche für Feuer und Erde, der unbegrenzte Himmel für die Luft bei Tag und  Nacht.  Was fehlt?  Es fehlen die Bäume, vor allem aber fehlt  der Mensch mit seiner menschlichen Kultur, mit seinen kulturellen Spuren, die er stets und überall, liebend gern oder ungefragt hinterhältig hinterlässt.

 

Es entsteht nun in dieser Weite und Einsamkeit  eine LandArt, die sich einreiht in das Spiel der Elemente.  Die Kunst wird ein Teil davon, wie wir es in schönen Stunden noch am Strand oder im Gebirge oder überhaupt in „freier“ Natur,(was für ein schöner Ausdruck) erleben können. Doch die Kunst ist vergänglich, so vergänglich wie der Mensch angesichts dieser „ewigen“ Natur.

Kleinste Eingriffe  sind schon genug. Und die Künstlerin  bemerkt, so wie es die Kinder  am Strand erleben,  wie schnell und flüchtig Meereswellen und Wind alles auswischen. Wie das Vergängliche  gerade  zu dieser Landschaft gehört und wie wenig das Nichtvergängliche, sagen wir einmal, eine Bronzestatue, in diese Landschaft passen würden. Margret Schopka stemmt sich nicht dagegen, sondern wird Teil dieser Umwelt.  Wunderbare Abdrucke, entstanden in Island mit Schablonen-Siebungen, „filigrane  Muster, Mäander, Ornamente, Aufschichtungen, Umschichtungen“.

Was denkt sie wohl bei ihrer Arbeit   inmitten dieser Landschaft? Vielleicht an  Zeit und   Zeitlosigkeit, vielleicht daran, was der Ötzi wohl gedacht haben könnte, als er über die Gletscher ging. Eine Welle kommt plötzlich und die Arbeit ist weg. Was bleibt, sind die Fotografien, und auch die in nur kleinformatigen Fotobüchern, nicht in großen. Was sagt der Philosoph und Lyriker Michel Houllebecq  über die Künstler (in seiner Auseinandersetzung mit Schopenhauer)? „Das Nebensächliche ist, dass der Künstler anderen Menschen ähnelt; das Wesentliche ist, dass er sich im Gegensatz zu den gewöhnlichen Menschen die Gabe einer reinen, unverdorbenen Beobachtung erhalten hat, wie sie einem sonst nur in der Kindheit, im Wahn oder als Gegenstand von Träumen begegnet. Nach Schopenhauers Sichtweise ist“, so fährt er fort, „ein Kunstwerk eine Art Naturprodukt“.

Auf meiner Terrasse ist die „Druckvorlage“ der Spitzendecke nun mit Kaffeepuder bedeckt. Mit großer Behutsamkeit wird die Decke so eingerollt, dass das durchgesiebte fragile braune Druckbild hervortritt. Das platte fade Hellgrau der Decke  verschwindet mehr und mehr und aus dem Kaffeesatz kommt ein gedrucktes feines Relief zum Vorschein, das filigrane aber feste Konturen hat. Die Kontraste sind stärker geworden und die Komponenten scheinen wieder auf die reinen Elemente zuzugehen, obwohl Kaffeesatz keine Erde ist. Als wenn alles Überflüssige nun weg wäre, war es die Spitzendecke mit ihrer kulturellen Genese?

Margret Schopka experimentiert gern. Beispielsweise siebt sie den Kaffee auch auf Tapetenkleister. Nach dem Trocknen entsteht so ein immaterieller transluzider Bildgrund. Eine Glasmalerei neuen Stils.

 

2. Ein Werk „in Progress“

Doch mir gefällt mein Werk in Progress inzwischen besser. Da unsere Terrasse relativ windgeschützt ist, und der Regen zur Zeit nur sanft nieselt, passiert nicht viel. Nur leicht verändern die Konturen sich von Tag zu Tag. Wie das Leben selbst mit seinem sanften Verschleiß. Kein Tag ist wie der andere. Weil man den ersten Eindruck des Vollkommenen (des Ideals) vor dem inneren Auge hat, ergänzt man den Anblick vielleicht unbewusst, dabei merkt man gar nicht, dass man bereits aus der Erinnerung schöpft.  

Das Aztekengesicht verschwindet allmählich, aber unvermutet schauen an anderen Orten neue Gesichter und bizarre Drachen hervor.  Als ob die Zeit sich ganz persönlich vorstellte,  wir kennen das von den Vanitasmotiven der Renaissance. Ist dies hier nun ein Vergänglichkeitsmotiv im 21. Jahrhundert?

Das Interessante ist dabei, auch die Vergänglichkeit ist schön in ihrer „Unvollkommenheit“, die uns über Veränderungen nachdenken lässt. Das hat uns ja die Romantik mit ihren Ruinenbildern entdecken lassen.  Man muss die Fantasie bemühen. Sie kommt so ins Spiel wie die Visionen und die Utopien, die Ideale oder die Erinnerungsverklärung der alten Leute. Hat es  die Menschheit vielleicht in ihrer Phylogenese einmal ebenso gemacht mit ihren Geschichten, die ums flackernde Feuer entstanden sind? Platon scheint in seinem Höhlengleichnis davon etwas gewusst zu haben.

 Am 12. Januar entdecke ich ein neues Gesicht in den zerfallenden Kaffeesatzornamenten. Der Zahn der Zeit nagt weiter, einerseits bilden sich Placken wie Land  auf einer geografischen Karte, andererseits entstehen leere Stellen wie die großen Wasser auf dem Globus.  Am 14. Januar ist der Wind nachts drüber gegangen. Alles ist noch da, aber irgendwie fällt mir auf, dass einiges durch das Gitter in der Abflussrinne gefallen ist und sich dort unten der Kaffeesatz ebenso sammelt, wie er oben dünenartig fein über die Terrassenplatten geweht wird. Die Künstlerin lässt die Natur für sich arbeiten, sie braucht keine kinetischen Vorrichtungen, damit sich etwas bewegt. Sie lässt sie sogar „räumlich“ dreidimensional für sich arbeiten, ich muss lachen.

Margret Schopka verwendet den Kaffeesatz, den sie im Haus sammelt, und auch ich fange nun an, unseren morgendlichen Kaffeesatz für sie zu sammeln.  Es ist eine Art von Bescheidenheit, sich auf etwas, das nicht mehr gebraucht wird, das keine neue Ressourcen kostet, zu beschränken und zugleich ein Akt der Nobilitierung des kostbaren Naturprodukts.    Gehört das auch zum Konzept? Vielleicht zu einem Teil.  Auf alle Fälle haben sich die noch in der Nachkriegszeit geborenen Menschen eine eigene Achtsamkeit bewahrt, die heute vielleicht zum Recyceln führt, früher aber auch dazu animierte, „aus allem etwas zu machen“, weil es „Not-wendig“ war,  so wie es Georg Herold unlängst im Bonner Kunstmuseum sagte, als er auf seine neuen Arbeiten aus Holzklötzchen und Ziegelsteinen verwies.

 Ein Berg aber von kostbaren Teepflanzenspitzen in unserer EINEN Welt  zu einer riesigen Pyramide aufzuhäufen, wie es der chinesische Künstler Ai Weiwei in Berlin getan hat, käme Margret Schopka nicht in den Sinn. Ihre Spuren sind leise und verweisen auf etwas Immaterielles, was über das Materielle hinaus reicht, auch wenn sie nur Kaffeesatz, das simple Abfallprodukt des Kaffees verwendet.       

Heute ist schon der 15. Januar und die braunen Flecken werden weniger, verselbständigen sich und doch gibt ihnen die kreisrunde Form immer noch Struktur. Doch immer noch und vielleicht immer besser könnte man nun „aus dem Kaffeesatz lesen“, Pythia spielen.

 

 

 Dieses Rund im Ornament der Decke ist  aber gleichzeitig so etwas wie ein roter Faden, der die Verbindung zum Ursprung noch aufrecht  erhält, doch auch er wird bald zerfallen. Wie lange so ein roter Faden im menschlichen Leben wohl hält? Ich glaube, Schopenhauer hat ihn als „Willen“ bezeichnet.

Am 16.1. wollte ich aufhören, da sich die Ornamente aufgelöst haben und die Flecken beliebig geworden sind, doch am 17.1. schneit es und es interessiert mich schon, ob der Schnee die Flecken zudecken kann oder ob sie durchkommen. Es interessiert mich überhaupt, was bleibt, wenn es vergeht. Nicht, dass ich es nun wüsste, aber ich habe nun darüber nachgedacht, wobei ich einmal mehr gesehen habe, dass man über das „Augenscheinliche“ der Materie nie hinauskommt, wenn etwas weg ist, was vorher war. Es ist aber  dennoch der Inhalt unseres Denkens und unsere Fantasie schließt die Lücken und führt weit darüber hinaus.

 Das darzustellen bringt Margret Schopka fertig, sogar, wenn gar nichts mehr da ist von dem was sie gemacht hat: „Und keiner kennt den letzten Akt von allen, die das spielen, nur der da droben schlägt den Takt, weiß wo das hin wird zielen“, hat Eichendorff in seinem schönen Lied „Mich brennt`s in meinen Reiseschuhn“ gedichtet.

Ach und noch etwas, ich habe in diesen Tagen überhaupt  nicht gemerkt, wie sehr die Künstlerin mich in ihre Welt mit hineingenommen hat?

 

 

 

 

 

 

BEI MEINEN FREUNDINNEN ZUM KAFFEE

 

Über den Zeitraum der Jahre 2012-2017 trinkt, siebt und fotografiert Margret Schopka „Kaffee“ im Rahmen ihrer aktuellen Work-in-Progress-Arbeit. Ihr Konzept  bedient sich eines Rituals: die Verabredung zum Kaffee mit der Freundin. Sie verabredet sich nicht am unpersönlichen Ort, sondern in der Intimität des Zuhause ihrer jeweiligen Gastgeberin. In der kurzen Zeitspanne, während der frische Kaffee zubereitet wird, siebt sie kalten Kaffeesatz über ein Tischtuch aus Spitze, das die Gastgeberin zur Verfügung stellt. Die Spitzendecke, ein Relikt feiner Tischkultur, wird zur Braunpause dieser Kunst-Schöpfung. Ähnlich der Schönheit und Flüchtigkeit eines Mandalas, entsteht ein filigranes Gebilde von vergänglichem Zauber. In Kaffeegeruch gebettete Begegnungsfreude oder schon ein Stück Erinnerung?

Die Freundinnen trinken zusammen Kaffee - für die Dauer der Kaffeepause existiert die Arbeit in situ. Dann wird sie fotografiert und weggefegt.

Susanne Geuer

 

 

Over the course of the year 2012-2017, Margret Schopka drinks, sieves, and photographs 'Coffee' as part of her most recent work-in-progress project. Her concept is based on a ritual – meeting up for a coffee with a friend. Rather than choosing an impersonal place for the meeting, she seeks the intimacy of the home of her respective hostess. While the fresh coffee is being prepared, she sifts cold coffee grounds over a lace table cloth that her host has provided. The lace cloth – a relict of fine table culture – is transformed into a printing screen for this art creation. Similar to the beauty and transience of a mandala, a filigree structure of ephemeral magic emerges.
The friends drink coffee together, and for the duration of the coffee break, the work exists in situ. Then it is photographed and swept away.
Susanne Geuer

 

 

 

 

 

 

 

INTARSIEN

 

Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich  jedes Jahr in Island. Für in situ Arbeiten habe ich  Sand, Vulkanasche und Mehl entdeckt. So entstand die Serie „Intarsien“. Entstanden aus einer Landschaft im ständigen Wandel zeigen sie unwiederholbare Momente.

Stille und Einsamkeit, die Kraft der Natur und die Schönheit und Kargheit der Landschaft mit ihren besonderen Bergformationen reizen mich zu diesen minimalistischen Anmerkungen an die Natur.

 

 

Margret Schopka is working over the years in Nature and is using a very special medium. Her steps into the landscape and here in Iceland are very subtle. She uses her personal and very intimate print. She is the pattern or patterns walking into space with a lace.

The floral carpet she is using adds to these Icelandic landscapes a poetic song. On streets and paths, sometime on the snow she spreads her printings, often made of coffee ground, sand or similar material. Her personal sign says - here I am- and is a sign of human ephemeral life in this eternal countryside.

Carlotta Brunetti, Künstlerin

 

 

 

Wie teure Brüsseler Spitze ziehen sich filigrane Muster über glatte, sanft gewölbte Felsrücken, bis der Wind den schwarzen Sand  verweht. Üppig geschwungene florale Ornamente, gestreut aus Mehl, liegen matt-weiß auf glitzerdem Schnee, der seinerseits auf flachen Steinen ruht. Entlang der natürlich gewundenen Schneekante bildet das Ornament, das einem Musterkatalog von Renaissance-Textilen entlehnt sein könnte, eine sonderebare Einheit von Kunst und Natur, bis die Sonne den Schnee und damit das Kunstwerk zum Verschwinden bringt.

Auszug aus dem Artikel von Leonore Welzin, Journalistin, anl. meiner Ausstellung "Intarsia" im RAUM FÜR KUNST

 

 

 

 

 Arbeiten in situ mit Kaffeesatz und  Sanden im Engadin, 2014 und 2017

 

 

LANDNAHME 

Island

 

 

                         

 

 

 

SOZIAL GEPRÄGTER NATURRHYTHMUS

Margret Schopka verwendet filigrane, nach strengen Regeln gehäkelte, dekorative Spitzendecken, wie wir sie von unseren Großmüttern her kennen. Sie übersetzt diese in das Medium einer Landartzeichnung. Schon seit einiger Zeit verarbeitet sie Naturmaterialien zu ornamentalen Teppichen und weitgreifenden Landschaftsarbeiten. Hier bearbeitet sie einen Industrieboden. Eine dunkelbraune Ornamentalik, entstanden aus Kaffeesatz von unzähligen Kaffees, den sie über Spitzendecken siebte. „Braunpause“ nennt sie die Züricher Arbeit der Serie „bei meinen Freundinnen zum Kaffee“ Der Farbkontrast des Kaffees zum Boden betont als Negativ die ornamentalen Gestaltungsprinzipien der Häkelspitze. Harmonisch verbindet die dunkle und duftende Zeichnung den Innen- und Außenraum. Tischkultur und Landartkunst, den Ort Remise und die Menschen hier und aktiviert Erinnerungen an das Zusammensein mit Freunden und Familie. Der Naturrhythmus wird topo-grafisch und sozial geprägt. Nur Fotos werden die Arbeit überdauern.

Sandra Winiger, Kunsthistorikerin und -vermittlerin, Kunsthaus Zug

 

 

 

 

 

 

 

 

AUF MEINEN WEGEN

 

Wenn  ich durch die Landschaft gehe, greife ich immer wieder minimalistisch in die Natur ein. Ich markiere Orte ,  hebe sie hervor und spüre ihren spezifischen Besonderheiten nach. Filigrane Muster aus Kaffeesatz  verändern für kurze Zeit einen Ort. Es bleiben nur fotografische Manifestationen.

 

 

 

Objekte aus Kaffeesatz und Folie 2016/2017

 

 

 

 

Wandobjekte aus Folien, Kaffeesatz, Rückseite von Teppichboden collagiert mit

Blütenblättern, Spitzen   2016/2018

                                   Wandobjekt aus Folien und Kaffeesatz

 

 

 

 

1000BLUMENTEPPICHE

 

Den burgundischen Herzögen im 15. Jahrhundert schien das Paradies mit all den Blumen ihrer Welt auf Tapisserien und Teppichen weiter zu bestehen. In unseren Gärten aber erblühen fleischfressende Silikonhybride: Un-Fine Verdure. Wir erinnern uns , wie eine Liebes-Blume aussieht, aber  wir fragen, ob sie infektiös ist  und wie uns ihre Früchte gesonnen sein werden. Was transformiert sich nun auf der chymischen Grenzschicht der Teppiche, die wir ,wie im Alltag, lieber mit dem Boden von uns abgewandt wüssten? Die  Fleurs du Mal? Eine Spur des Guten* von Philipp? Dieses eigentümlich ausgeblichene Leuchten der Farben: Natürlich-morbide-künstlich-fahl.

Volker Hamann aus : Alchemistische Hochzeitsreise

 

 

Auf einfühlsame Weise verarbeitet Margret Schopka in ihren Arbeiten technisch erstellte Bodenbeläge, die sie „häutet“ und skelettiert und meist von der Unterseite zeigt. Die geschäumten, von Alterungs- und Nutzungsspuren gezeichneten Böden nimmt sie als Untergrund ihrer zarten, aus Blüten und Textilfragmenten erstellten Collagen. Großangelegte, zuweilen geometrische Formen konstatieren  mit spielerisch ausgelegten Arabesken oder floralen  Motiven. Trotz der im Objekt vereinten  Gegensätze strahlen gerade die als „Tausendblumenteppicheteppiche“ bezeichneten großformatigen Werke eine große Ruhe und auch Leichtigkeit aus. Verbundenheit mit Erden, Pflanzen und  dem Sein ist ein Kennzeichen dieser poetischen Werke.

Dr. PetraOeschlägel, Museum Villa Zanders

 

 

LICHTBILD.IS

 

Wenn Margret Schopka durch die Landschaft geht, setzt sie Zeichen. Sensibel markiert sie Orte, hebt sie hervor, verändert sie und spürt ihren spezifischen Besonderheiten nach. Neben diesen Arbeiten in situ kombiniert sie stimmungsvolle, wolkenverhangene Landschaftsfotografien mit Materialassemblagen, die die Eigenarten der jeweiligen Orte betonen. Margret Schopka schaut hierbei der Landschaft tief unter ihre dünne Haut, legt Schichtungen und Verwerfungen frei.

Erstaunlicherweise erinnert diese Perspektive an Aufnahmen der Erde aus dem All, wenn die verblüffend dünne, fragile Atmosphäre des Planeten zu sehen ist oder an Eisberge, deren Masse sich etwa zweidrittel unter Wasser befindet.

 

Sofort entwickelt sich eine komplexe Bildsemantik, wenn einerseits die Ansicht von der Fläche in den Raum kippt, um wiederum zu einer flächigen Malerei zurückgeführt zu werden, die nichts weiter ist als abstrakte Malerei. Das künstlich Geschaffene wird der Natur entgegengesetzt, wobei die Natur selbst schon wieder Mimesis in Form von Fotografie ist. Natura naturans versus natura naturata. Margret Schopkas analytische Sichtweise hat hingegen nichts mit einer vermeintlichen romantischen Haltung zu tun. Nichtsdestoweniger sind ihre Arbeiten in der Lage, Orte magisch aufzuladen.

Dr. Stefani Lucci

 

 

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