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  Tausendblumenteppiche  
 
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“vor Ort" Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach 2016

 

Auf einfühlsame Weise verarbeitet Margret Schopka in ihren Arbeiten technisch erstellte Bodenbeläge, die sie „häutet“ und skelettiert und meist von der Unterseite zeigt. Die geschäumten, von Alterungs- und Nutzungsspuren gezeichneten Böden nimmt sie als Untergrund ihrer zarten, aus Blüten und Textilfragmenten erstellten Collagen.
Großangelegte, zuweilen geometrische Formen konstatieren  mit spielerisch
Ausgelegten Arabesken oder floralen  Motiven. Trotz der im Objekt vereinten  Gegensätze strahlen gerade die als „Tausendblumenteppiche“ bezeichneten großformatigen Werke eine große Ruhe und auch Leichtigkeit aus. Verbundenheit mit Erden, Pflanzen und dem Sein ist ein Kennzeichen dieser poetischen Werke.
In der Landschaft erstellt Margret Schopka immer wieder sensible Werke (Intarsien), die oftmals nur für wenige Stunden Bestand haben und von ihr fotografisch festgehalten werden.
Sie  streut filigrane Muster oder Ornament aus Sand oder Asche oder nimmt Umschichtungen vor, wodurch sie die weite Landschaft in unwiederholbare Bildausschnitte überführt die in Fotografie oder Collage fortleben.

Dr. Petra Oelschlägel, Kunstmuseum Villa Zanders

 

"hörst Du den Brachvogel?" Künstlerforum Bonn 2015

Seit über 10 Jahren arbeitet die Gastgeberin und Initiantin des Projekts Margret Schopka regelmässig in Island. Für ihre Werke verwendet sie nicht nur Materialien vor Ort wie Moos und Sand, die in Island’s Landschaft nahelegend sind, sondern sie thematisiert auch die stete Veränderung und Vergänglichkeit dieser. Die Stille, die Einsamkeit, die Kargheit sowie die Kraft der isländischen Natur stellt sie in einen subtilen Dialog mit ihrer eigenen Präsenz als kulturell geprägtes Wesen.

Die Fotografien beim Eingang zeigen die in Island in situ entstanden Sandarbeiten. Es sind vergängliche Spuren von Schopkas Besuch. Indem sie Sand über Spitzendecken auf den Boden streute, entstanden eine Art temporäre Teppiche, die wie hingehaucht sich mit der Natur ornamental verbanden. Sie sind lediglich für den einen kostbaren Moment des Fotografierens sichtbar, bevor das Wetter umschlägt und der Wind Schopkas temporäre Bodenmarkierung erneut in die Weiten der Natur integriert. Die Polaritäten von Natur und Kultur, von Beständigkeit und Vergänglichkeit, Gemachtem und Gewordenem, Kleinem und Grossem oder von Rauem und Zartem zeigen sich auf poetische Art und Weise in ihre „Intarsien“ eingeschrieben.

Hier im Saal sehen wir zwei grossformatige Arbeiten, die ebenso fragil, jedoch etwas beständiger sind. Die im Winter im Atelier entstandenen Teppiche sind inspiriert von den kostbaren und wärmespendenden Millefiori-Tappisserien der Renaissance. Von weitem betrachtet wecken sie Assoziationen an karge, mit lebendiger Flora sowie Moos bestückte Oberflächen von Islands Weiten. Von Nahmen erkennen wir eine mit Blütenblättern, gezogenen Wollfäden, ausgeschnittenen Vogelbildern, Stoff- und Teppichfetzen sorgfältig collagierte und mit Acrylfarben bemalte Teppichrückseite.

Die in Margret Schopkas Wandteppichen sedimentierten Erinnerungen an die „Sommerflora“ Islands entwickeln ein Eigenleben, welche aus unterschiedlichen hiesigen Materialien gestaltet deren Vergänglichkeit in unserer Vorstellung überdauert.

Sandra Winiger, Kunsthistorikerin und Kunstvermittlung im Kunsthaus Zug, Schweiz

 


Kunstpreis der Galerie JUDITH DIELÄMMER, Grevenbroich 2014


Archaische isländische Landschaften -langsam weich in der Ferne verschwindend- entstanden durch Ablagerungen in Millionen von Jahren, sind die vorwiegende Inspirationsquelle für die Arbeiten von Margret Schopka.
Nahezu alle ihre Arbeiten, auch wenn sie nicht die Landschaft als Thema haben bzw. darin entstanden sind, erinnern an landschaftliche Formationen: so auch Portraits,  collagierte TausendBlumen-, Sandteppiche  usw.
Die LandArt (ein modernes Kunstwort.. !!) von Margret Schopka ist eine behutsame unspektakuläre integrative Kunstform. Dagegen kann "Landkunst"  zuweilen mit rigorosen Eingriffen von "Menschenhand" in die Natur, viel energetischem und finanziellem Aufwand einhergehen- Kunstmüll und ggf. bleibende "Wunden" hinterlassend. Ein Glück- es gibt auch viele postive Beispiele für Landschaftsveränderung. Margret Schopka hinterläßt keine bleibenden Spuren in der Landschaft. Ephemere Kunst ... eine  umweltfreundliche im positiven Sinne "bescheidene" Variante der LandArt.  Eins ihrer künstlerischen  Merkmale. Sie arbeitet alleine auf sich gestellt in der weiten isländischen Landschaft und läßt sich vor Ort überaschen und inspirieren. Fast alle ihre Arbeiten sind vergänglich..... jedenfalls am Ort des Geschehens. So sind wir dankbar für die Hinterlassenschaften in der Dokumentation. Ein Sandteppich zB.- enstanden durch übersieben und sehr vorsichtige Wiederentfernung eines Tischtuches mit Lochstickerei, kann durch einen einzigen Windhauch oder eine kurze Regenschauer in Sekunden der Vergangenheit angehören. Ebenso die nach der gleichen Arbeitsweise entstandenen Grundrisse eines antiken Tempels aus der Renaissance-Epoche. Hier wurde das zarte textile Material durch von der Künstlerin ornamental ausgeschnittenen Teppichboden ausgetauscht und eingesiebt. Kurzfristige Naturlaunen  können diese Schönheiten für alle Zeit wieder in´s Unsichtbare versinken lassen.
In der Kombination von Malerei und Fotografie als Collage entstehen fantastisch anmutende visionäre Landschaften. Hier "wachsen"durch Malerei- unter einer Landschaftsfotografie die Vision eines darunter sonst unsichtbaren Untergrundes. Da ist scheinbar eine senkrecht mit großem scharfen Messer durchtrennte reale schroffe  FelsenFormation mit vielen Gesteinsbrocken und Felsspitzen usw. zu sehen, perfekt- naturalistisch gemalt darüber, beides nur getrennt durch eine feine dünne weiße  Linie. Margret Schopka erklärte mir... diese Formationen wären beim Malen intuitiv "vor ihrem inneren Auge" entstanden. Das soll es ja geben... Dies ist mE.  ja nur möglich, bei einer innigen Verbundenheit mit einer Landschaft bzw. einem Ort. In einer anderen Collage wurde die Landschaft unter der Erdoberfläche durch ein surreales Gebilde (ehemals ein Brillenetui) mit fragiler sensibler Stickerei, ergänzt durch ein textiles Tigerfellmuster. Erotisch wollüstig, an ein großes Spiegelei erinnernd, umgeben von grünen blättern, wie frischgekochter Spinat.
Unnachahmlich, unerwechselbar .... eigenständig ist Margret Schopkas Arbeit...keine großen Vorbilder lassen aufdringlich grüßen !!!EatArt in höchster Vollendung. Viele Vergleiche aus anderen Bereichen drängen sich geradezu auf.. Worüber wandeln wir (mental,real) ?.
Nicht zuletzt die vor Ort entstandenen Blütenteppiche, wo unsereins drin baden möchte, werden der Natur wieder zurückgegeben. Bei manchen Teppichen schimmern jedoch noch die alten verblassten Muster der Original-Auslegeware aus Oma´s und Mama´s Wohnzimmer hindurch... Derzeit noch fester Bestand der künstlerischen Arbeit der Künstlerin... Wehmütig, tröstlich, doch ebenso irgendwann vergänglich...
Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras,
er blühet wie eine Blume auf dem Felde... und wenn der Wind darüber wehet
so ist sie nimmermehr da..
und ihre Stätte kennet sie nicht mehr.....(aus Psalm 103).


Inge Broska, Künstlerin


ausgewählte Künstlerin kuratiert von artists.de 2009


Wenn Margret Schopka durch die Landschaft geht, setzt sie Zeichen. Sensibel markiert sie Orte, hebt sie hervor, verändert sie und spürt ihren spezifischen Besonderheiten nach. Neben diesen Arbeiten in situ kombiniert sie stimmungsvolle, wolkenverhangene Landschaftsfotografien mit Materialassemblagen, die die Eigenarten der jeweiligen Orte betonen. Margret Schopka schaut hierbei der Landschaft tief unter ihre dünne Haut, legt Schichtungen und Verwerfungen frei.
Erstaunlicherweise erinnert diese Perspektive an Aufnahmen der Erde aus dem All, wenn die verblüffend dünne, fragile Atmosphäre des Planeten zu sehen ist oder an Eisberge, deren Masse sich etwa zweidrittel unter Wasser befindet.

Sofort entwickelt sich eine komplexe Bildsemantik, wenn einerseits die Ansicht von der Fläche in den Raum kippt, um wiederum zu einer flächigen Malerei zurückgeführt zu werden, die nichts weiter ist als abstrakte Malerei. Das künstlich Geschaffene wird der Natur entgegengesetzt, wobei die Natur selbst schon wieder Mimesis in Form von Fotografie ist. Natura naturans versus natura naturata. Margret Schopkas analytische Sichtweise hat hingegen nichts mit einer vermeintlichen romantischen Haltung zu tun. Nichtsdestoweniger sind ihre Arbeiten in der Lage, Orte magisch aufzuladen.

Dr. Stefani Lucci, Kunsthistorikerin und Kuratorin, Artists.de