Dr. Heidrun Wirth, Kunsthistorikerin und Journalistin

 

Performative Land-Art in Island von Margret Schopka

                           Auszug aus dem Vortrag auf dem 45. Kölner Island-Kolloquium

             

„Kunst im öffentlichen Raum“,  das klingt gut und ist doch gar nicht so einfach, insbesondere, wenn man sich wünscht, dass die Kunst vielleicht auch noch unseren Kindern und Enkeln gefallen möge. Es gibt schnellere oder langsamere Veränderungen in der Einschätzung und Wahrnehmung, bestimmt von dem sich ständig ändernden Zeitgeist. Ein Wandel in der Einschätzung kann sich aus vielen Quellen speisen, aber wir dürfen sicher sein, alles ändert sich ständig, ist sozusagen im Fluss wie die Mode. 

 Wer weiß  denn, wie unsere Kinder und Enkel überhaupt  von den Kunstwerken sprechen,, insbesondere von denen, die in Deutschland die Plätze und Brunnen  unserer nach dem Krieg so schnell hochgezogenen Kleinstädte zieren oder auch nicht zieren.  Wie wird das denn weiter gehen? 

Man sieht es schon heute: Die immer mehr Raum beanspruchenden Plastiken und Installationen wandern in die sich immer weiter ausdehnenden Depots unserer Museen und tragen zu deren immer größeren Aufquellen bei. 

Ganz anders die Kunst, über die ich jetzt sprechen möchte. Die Land Art –Künstlerin Margret Schopka zeigt in ihrer performativen Land Art  eine neue Einstellung zur Kunst, getragen von einer wunderbaren neuen Poesie. Ihre  Kunstwerke stehen nicht als Objekte in einer Landschaft,   indem sie die Landschaft wiedergeben oder sie als attraktiven Hintergrund nutzen, sondern sie schaffen die Landschaft neu. Bei Margret Schopka entsteht Land Art als Ausdruck der Behutsamkeit, des Nachdenkens und der ästhetischen Freude.     

 Island hat sie in ihrer Kunst geprägt,  über die vielen Jahrzehnte hinweg, in denen die in Hamburg geborene Künstlerin regelmäßig die Sommermonate mit ihrem Mann Sverrir auf der Insel verbrachte und noch verbringt.

Sie lernte dort  eine  Landschaft kennen, in der die Elemente  kompromisslos zu Tage treten:  Das  Meer mit dem gischtenen Meeressaum steht für das Wasser,  das vulkanische Gestein mit der allerfeinsten Vulkanasche für Feuer wie für Erde, der unbegrenzte Himmel für die Luft bei Tag und  Nacht. Das ist die Insel.  Es fehlen die Wälder, vor allem aber fehlt auch weitgehend der Mensch mit seinem Eingreifen und seinen kulturellen Spuren, die er stets und überall, liebend gern oder auch ungefragt hinterhältig hinterlässt. Die Bevölkerungsdichte beträgt in Island 3,4 Einwohner pro Quadratkilometer. Dort entstand ihre Land Art. Doch was versteht man eigentlich darunter?

Als die Land Art  Ende der 1960er Jahre als neue Kunstströmung in den USA entstand, hatte Margret Schopka schon ein Malereistudium in Hamburg hinter sich. Auf der Dokumenta 5 sagte der Earth-Künstler Robert Smithson (1938-1973): „Ich bin für eine Kunst, die die unmittelbare Wirkung der Elemente in ihrer alltäglichen Existenz abseits der Repräsentation berücksichtigt.“  Ein solcher neuer Umgang mit der Natur, insbesondere auch mit natürlichen Materialien, interessierte auch Margret Schopka. Die  später Land Art genannte Kunst gehörte ja gemeinsam mit dem Minimalismus – zu den radikalsten künstlerischen Konzepten jener Zeit. 

Im Unterschied zum reinen Minimalismus  zeichnete sich die Land Art  auch  durch   romantische und durch  gesellschaftskritische Komponenten aus.  Dem Besitzbürgertum, das die Werke der bildenden Kunst nur noch als Spekulationsobjekte betrachtete, wollte man kein neues Konsumgut liefern, sondern Werke schaffen, die in keiner Galerie ausgestellt werden konnten, also weder transportabel, noch käuflich, noch dauerhaft waren.  (Schon Miró war des kommerziellen Denkens in der boomenden Wirtschaftswunderzeit überdrüssig. In den 70er Jahren malte er explizit auf Fensterscheiben und nach 14 Tagen hat er alles wieder abgewaschen.) Und doch war es so, dass  die Land Art- Künstler selbst  Ende der 1960er Jahre jegliche Klassifizierung strikt ablehnten und oft parallel in mehreren Kunstrichtungen arbeiteten. Das ist auch bei Margret Schopka nicht anders

Land Art ist die Umwandlung von geographischem Raum in ein Kunstwerk.  Es geht dabei nicht um eine bestimmte Größenordnung oder Methode, sondern sie ist  vom kleinsten Maßstab möglich  bis zur Gestaltung  ganzer Landstriche.  Margret Schopka findet ihre eigenen Parameter, die von der Insel selbst vorgegeben werden. Da ist das Gestein, da sind die Felsen, bis hinauf zu den Gletschern und  hinab zu den aus der Erde sprudelnden Geysiren.

 

Wer über dieses Land geht, ist auf sich selbst geworfen und  nimmt die Dinge um sich herum wohl konzentrierter wahr. Er sieht, wie eigenwillig sich die Nähe direkt unter den Füßen überschneidet mit der Weite und Ferne ungreifbarer Horizonte,  und er spürt wohl die ständige Veränderung dieser vulkanischen Landschaft mit dem ständigen Nachschub von schmelzendem Gestein, das das Auseinanderdriften der Insel verhindert.  Unberechenbarkeit, aber auch eine ewige Zeitlosigkeit entspringen aus diesen Elementen, die hier offen zu Tage treten und dem Menschen ein Staunen abnötigen. 

Was sehen wir aber auf diesem Bild, entnommen aus einem kleinen dokumentarischen Künstlerbuch von Margret Schopka?

 

 Die Kunst ist ins Spiel gekommen. Da sind unzweifelhaft menschliche Spuren, die gewisse menschliche Rhythmen vorgeben. Es sind weiche Schwünge, die  die Motive an den schwarzweißen Bergrücken aufzunehmen scheinen, sogar den schrundigen Verlauf der Hügelwand im Mittelgrund. 

Dokumentiert und zugleich in Poesie verwandelt ist hier ein Stück  Land Art entstanden. Minimalistisch im Eingriff und doch unübersehbar präsent und ästhetisch beglückend ist das Ergebnis dieser Begegnung mit der isländischen Welt, ein Feenreich, das schlicht aus dem  performativen  Akt des Einsiebens entstanden ist, denn zu Grunde liegt eine Mehleinsiebung.

Die Künstlerin hat sich mit diesem Einsieben der naturbelassenen Oberfläche ganz auf das Vorgefundene eingelassen. Die Konturen verschwimmen, wir wissen nicht genau, wo die Natur in den schöpferischen Akt der Künstlerin übergeht. Das Weiß tritt in Kontakt mit dem Vulkan in der Ferne.

Wir sehen aber unschwer, dass eine kulturelle Prägung vorliegt, denn die Ornamente, die  durch aufgelegte Schablonen aufgetragen sind, können in ihrem ornamentalen Schwung und Rhythmus doch nur vom Menschen stammen, wenngleich es natürlich auch in der Natur Rhythmen gibt, die wir erkennen, wie Insektenspuren, Abschliffe von Gesteinen und so weiter. Aber wir sehen zugleich, dass es das alles nicht sein kann. Es ist und bleibt unverkennbar ein spezifisch menschlich kultureller Eingriff.   

Diese Arbeit wurde nach der Fertigstellung in diesem Zustand fotografiert und das Foto wurde später Teil eines Fotobuches, in einem kleinen nur postkartengroßen Format, auch das soll gesagt werden in den Zeiten, wo die Fotobücher wie die Kunstkataloge immer dicker und schwerer, aber deshalb nicht unbedingt interessanter werden.

Damit wurde die Arbeit zwar dokumentarisch bewahrt, doch am Ort des Geschehens ist sie bald unwiederholbar verloren, zurückgenommen von diesen strengen Elementen, die nicht mit sich spaßen lassen, die nicht Halt machen vor pyroklastischen Strömen, vor kilometerhohen Eruptions- und Dampfsäulen und gewaltigen Ascheregen.

 

 

 

Mit dieser Einsiebung von Vulkanasche auf Schnee geht es  nun umgekehrt zu: Schwarz wird auf Weiß aufgetragen.

Im Mittelalter wurde am Gipfel der Hekla das Tor zur Hölle vermutet. Als der Berg  im Jahr 1104 ausbrach, wurde die Besiedlung eines ganzen Tals unmöglich. Muss man dem Berg Opfer bringen? Vielleicht. Nicht dem Berg, sondern der grandiosen Natur, wie sie von einem Schöpfer geschaffen wurde.

Mythen kommen mit ins Spiel und schon Robert Smithson legte in seiner Earth-Art dar, dass diese Kunst nicht nur auf die topologischen Gegebenheiten reagieren würde, sondern auch in Bezug auf seine psychologischen Resonanzen. Und die reichen von den Mythen, die der Landschaft inne wohnen bis zum Tun und Befinden der Künstlerin. Margret Schopka greift mit ihrem Sieben dabei auch auf archaische Handlungsformen des Menschen zurück.

 In Rangun im fernen Myanmar fegen die Mädchen Tag für Tag für ihr Seelenheil (das heißt für eine bessere Existenz im nächsten Leben) den Boden der großen Schwedagon-Pagode blitzblank. Das  performative  Fegen besteht wie das Sieben, das schon Kinder so gern machen, in der immer gleichen Wiederholung im Tun und damit in einer minutiös feinen Annäherung (mit der Tendenz nach unendlich) sich  etwas Vollkommenem anzunähern. 

Hier auf diesem Bild ist es die dunkle feine Vulkanasche selbst, die ein wundersames Spiel treibt. 

Welchen Boden können wir betreten?

„Als im Jahre 1750 die Aufklärer Eggert Olafsson und Bjarni Pálsson den Berg Hekla  besteigen wollten, wurde ihnen dringend abgeraten,  sich auf so ein „alle Teufel der Hölle herausforderndes Unternehmen“ einzulassen und  -wie überliefert- „ein Begleiter verfiel aus Angst in starke Magenkrämpfe.“

Licht und Finsternis können diese Elemente einmal mehr verzaubern in dem Land knapp südlich des nördlichen Polarkreises  und unversehens fällt der Blick auf den Boden, der unter unseren Füßen verschwindet und der Berg wird zu einer unnahbar fernen Silhouette. Die Arbeitsspuren aber sind hier wie Spuren im Tanz festgehalten, wie der Schreittanz im Labyrinth auf dem Boden der Kathedrale in Chartres  oder wie die neu entdeckten Schreitspuren der Nasca-Kultur in den Prozessionswegen in den Anden.

Das einsame Land wird  verzaubert.  Indem Margret Schopka das Spiel mit dem Licht in der Landschaft um ihre gesiebte Ornamentik erweitert, betont sie die Schönheit dieser  Landschaft, allerdings nur für diesen einen Augenblick. Bald bekommt die Natur wieder die Oberhand und das menschliche Tun ist nur noch Erinnerung.

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BEI MEINEN FREUNDINNEN ZUM KAFFEE

 

Über den Zeitraum der Jahre 2012-2017 trinkt, siebt und fotografiert Margret Schopka „Kaffee“ im Rahmen ihrer aktuellen Work-in-Progress-Arbeit. Ihr Konzept  bedient sich eines Rituals: die Verabredung zum Kaffee mit der Freundin. Sie verabredet sich nicht am unpersönlichen Ort, sondern in der Intimität des Zuhause ihrer jeweiligen Gastgeberin. In der kurzen Zeitspanne, während der frische Kaffee zubereitet wird, siebt sie kalten Kaffeesatz über ein Tischtuch aus Spitze, das die Gastgeberin zur Verfügung stellt. Die Spitzendecke, ein Relikt feiner Tischkultur, wird zur Braunpause dieser Kunst-Schöpfung. Ähnlich der Schönheit und Flüchtigkeit eines Mandalas, entsteht ein filigranes Gebilde von vergänglichem Zauber. In Kaffeegeruch gebettete Begegnungsfreude oder schon ein Stück Erinnerung?

Die Freundinnen trinken zusammen Kaffee - für die Dauer der Kaffeepause existiert die Arbeit in situ. Dann wird sie fotografiert und weggefegt.

Susanne Geuer

Over the course of the year 2012-2017, Margret Schopka drinks, sieves, and photographs 'Coffee' as part of her most recent work-in-progress project. Her concept is based on a ritual – meeting up for a coffee with a friend. Rather than choosing an impersonal place for the meeting, she seeks the intimacy of the home of her respective hostess. While the fresh coffee is being prepared, she sifts cold coffee grounds over a lace table cloth that her host has provided. The lace cloth – a relict of fine table culture – is transformed into a printing screen for this art creation. Similar to the beauty and transience of a mandala, a filigree structure of ephemeral magic emerges.
The friends drink coffee together, and for the duration of the coffee break, the work exists in situ. Then it is photographed and swept away.
Susanne Geuer

 

bei Maresa, 2013

 

 

 

 

 

INTARSIA

 

Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich  jedes Jahr in Island. Für in situ Arbeiten habe ich  Sand, Vulkanasche  entdeckt. So entstand die Serie „Intarsien“. Entstanden aus einer Landschaft im ständigen Wandel zeigen sie unwiederholbare Momente.

Stille und Einsamkeit, die Kraft der Natur und die Schönheit und Kargheit der Landschaft mit ihren besonderen Bergformationen reizen mich zu diesen minimalistischen Anmerkungen an die Natur.

For more than twenty years I have been working in Iceland each year.

Especially for in situ works I have discovered sand and coffeeground

That is how the series "Intarsia" was born. Created out of a landscape in constant change they represent unique moments in time.

The loneliness and tranquillity, the power of nature and the beauty and barrenness of the landscape with its exceptional mountain formations inspire my work as minimalistic comments thereupon.

 

 

Margret Schopka is working over the years in Nature and is using a very special medium. Her steps into the landscape and here in Iceland are very subtle. She uses her personal and very intimate print. She is the pattern or patterns walking into space with a lace.

The floral carpet she is using adds to these Icelandic landscapes a poetic song. On streets and paths, sometime on the snow she spreads her printings, often made of coffee ground, sand or similar material. Her personal sign says - here I am- and is a sign of human ephemeral life in this eternal countryside.

Carlotta Brunetti, Künstlerin

 

 

 

Wie teure Brüsseler Spitze ziehen sich filigrane Muster über glatte, sanft gewölbte Felsrücken, bis der Wind den schwarzen Sand  verweht. Üppig geschwungene florale Ornamente, gestreut aus Mehl, liegen matt-weiß auf glitzerdem Schnee, der seinerseits auf flachen Steinen ruht. Entlang der natürlich gewundenen Schneekante bildet das Ornament, das einem Musterkatalog von Renaissance-Textilien entlehnt sein könnte, eine sonderbare Einheit von Kunst und Natur, bis die Sonne den Schnee und damit das Kunstwerk zum Verschwinden bringt.

Auszug aus dem Artikel von Leonore Welzin, Journalistin, anl. meiner Ausstellung "Intarsia" im RAUM FÜR KUNST

 

Das Buch "Neuschnee" zum Projekt -Arbeiten in situ in Island-

12x16 cm, 30 Seiten

 

 

 

 

 

Arbeiten In situ mit Kaffeesatz  auf dem Weg und in Sils Maria, 2014 und 2017

 

Das Buch "auf dem Weg nach Sils Maria" , Arbeiten in situ mit Kaffeesatz

in Sils Maria-  2017, 12x16 cm, 30 Seiten

 

 

 

 

Tischinstallationen "LANDNAHME" in Stiflisdalur/Island 2016-2019

 

 

 

 Fuglaþufa 2018 und 2019

 Fuglaþufa sind charakteristisch für Island und prägen die Landschaft des Landes. Sie sind weit sichtbar und krönen, wie Brustwarzen, Hügel und Berge. In hunderten von Jahren und durch Generationen von Vögeln, die ihren Schiss, durchtränkt von allerlei Samen, immer an den gleichen Stellen hinterlassen, enstehen diese wundersamen Gebilde aus Gras. Und wenn der Mensch nicht alles zerstört, so werden von den Vögeln im Laufe der Jahrtausende Türme errichtet.

 

 

STRICKSTÜCKE

 

Meine Serie " Strickstücke",  entstanden im Sommer 2019 in Stiflisdalur,  sind Stein- und Pflanzenlegearbeiten mit Materialien, die ich in Stiflisdalur gefunden habe und eine eigene

Sicht auf den Mikrokosmos Island werfen. Die Landschafts-Fotos zeigen den Blick aus unserem Haus und   spiegeln die Stimmung wieder, in der die Arbeiten enstanden sind.

 

Nicht nur den glücklichen Moment des Tuns will ich zeigen, auch die Unermesslichkeit der Schönheit.

 

 

Sand, Pflanzen, nachmittägliches Stiflisdalur

 

 

 

 

SOZIAL GEPRÄGTER NATURRHYTHMUS

Margret Schopka verwendet filigrane, nach strengen Regeln gehäkelte, dekorative Spitzendecken, wie wir sie von unseren Großmüttern her kennen. Sie übersetzt diese in das Medium einer Landartzeichnung. Schon seit einiger Zeit verarbeitet sie Naturmaterialien zu ornamentalen Teppichen und weitgreifenden Landschaftsarbeiten. Eine dunkelbraune Ornamentalik, entstanden aus Kaffeesatz von unzähligen Kaffees, den sie über Spitzendecken siebte. „Braunpause“ nennt sie die Züricher Arbeit der Serie „bei meinen Freundinnen zum Kaffee“ Der Farbkontrast des Kaffees zum Boden betont als Negativ die ornamentalen Gestaltungsprinzipien der Häkelspitze. Harmonisch verbindet die dunkle und duftende Zeichnung den Innen- und Außenraum. Tischkultur und Landartkunst, den Ort Remise und die Menschen hier und aktiviert Erinnerungen an das Zusammensein mit Freunden und Familie. Der Naturrhythmus wird topo-grafisch und sozial geprägt. Nur Fotos werden die Arbeit überdauern.

Sandra Winiger, Kunsthistorikerin und -vermittlerin, Kunsthaus Zug

Installation mit Kaffeesatz und Fótografie 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

AUF MEINEN WEGEN

 

Wenn  ich durch die Landschaft gehe, greife ich immer wieder minimalistisch in die Natur ein. Ich markiere Orte ,  hebe sie hervor und spüre ihren spezifischen Besonderheiten nach. Filigrane Muster aus Kaffeesatz  verändern für kurze Zeit einen Ort. Es bleiben nur fotografische Manifestationen.

 

Das Buch zum Projekt "auf meinen Wegen"

12x16 cm, 30 Seiten

 

 

 

 

TRANSLUZID

Objekte aus Kaffeesatz, Blütenfolie,

 

 

 

 

 

Objekte aus Folien, Kaffeesatz, Rückseite von Teppichboden collagiert mit

Blütenblättern Spitzen, Plastikdecken,    2016/2018

 

WASSERFALL Rauminstallatiom mit Folien Teppichboden, Kaffeesatz, 2018

 

 

 

 

 

 

1000BLUMENTEPPICHE

 

Den burgundischen Herzögen im 15. Jahrhundert schien das Paradies mit all den Blumen ihrer Welt auf Tapisserien und Teppichen weiter zu bestehen. In unseren Gärten aber erblühen fleischfressende Silikonhybride: Un-Fine Verdure. Wir erinnern uns , wie eine Liebes-Blume aussieht, aber  wir fragen, ob sie infektiös ist  und wie uns ihre Früchte gesonnen sein werden. Was transformiert sich nun auf der chymischen Grenzschicht der Teppiche, die wir ,wie im Alltag, lieber mit dem Boden von uns abgewandt wüssten? Die  Fleurs du Mal? Eine Spur des Guten* von Philipp? Dieses eigentümlich ausgeblichene Leuchten der Farben: Natürlich-morbide-künstlich-fahl.

Volker Hamann aus : Alchemistische Hochzeitsreise

 

 

Auf einfühlsame Weise verarbeitet Margret Schopka in ihren Arbeiten technisch erstellte Bodenbeläge, die sie „häutet“ und skelettiert und meist von der Unterseite zeigt. Die geschäumten, von Alterungs- und Nutzungsspuren gezeichneten Böden nimmt sie als Untergrund ihrer zarten, aus Blüten und Textilfragmenten erstellten Collagen. Großangelegte, zuweilen geometrische Formen konstatieren  mit spielerisch ausgelegten Arabesken oder floralen  Motiven. Trotz der im Objekt vereinten  Gegensätze strahlen gerade die als „Tausendblumenteppicheteppiche“ bezeichneten großformatigen Werke eine große Ruhe und auch Leichtigkeit aus. Verbundenheit mit Erden, Pflanzen und  dem Sein ist ein Kennzeichen dieser poetischen Werke.

Dr. PetraOeschlägel, Kunstmuseum Villa Zanders

 

 

Magret Schopka widmet ihre Arbeiten nicht nur einzelnen Blumen,vielmehr breitet sie ganze Blumenteppiche aus. Ihre 1000Blumenteppiche sind ein bewusster Rückgriff auf die in der Renaissance beliebten Mille Fleurs. Nun ist die Darstellungsweise Margret Schopkas aber nicht eine abbildnerische, sondern eine durch vorgefundene Materialien vermittelte.

Mit der Einfühlung in die Schönheit der Natur traditioneller Blumenlandschaften haben Schopkas Arbeiten nichts mehr zu tun.

Durch den freien Umgang mit industriell gefertigten Teppichböden bringt sie zum Einen Serielles ins Spiel und schafft zum Anderen überrraschende, sich im Imaginativen entfaltende

Wahrnehmungsmöglichkeiten. Die auf verschiedene Art, etwa durch Abschaben des Compactschaums oder hinzufügen echter Blumen, bearbeiteten Teppichböden erhalten einen neuen Bedeutungsinhalt.

Es entstehen Bilder auf der Kippe zwischen konkret Erkennbarem und Auflösung.

Dabei verfalten sich die Motive zu einem Geknäuel aus Abstraktion und Realismus, aus Horizontale, Vertikale und perspektivischer Illusion. Auf diese Weise ergeben sich spannungsgeladene Paradoxien. Denn der vermeintlich von paradiesischen Zuständen bestimmte Rückzugsort Natur, wird hier zum Ereigsnisfeld einer irritierend bewegten Kunstwelt, welche die Wahrnehmung des Betrachter ins rotieren bringt.

Udo Vogt, Kunstjournalist

 

 

    Ausstellung im Museum Zündorfer Wehrturm mit Pauline Ullrich

 

 

 

LICHTBILD.IS

 

Margret Schopka kombiniert  stimmungsvolle, wolkenverhangene Landschaftsfotografien mit Materialassemblagen, die die Eigenarten der jeweiligen Orte betonen. Margret Schopka schaut hierbei der Landschaft tief unter ihre dünne Haut, legt Schichtungen und Verwerfungen frei.

Erstaunlicherweise erinnert diese Perspektive an Aufnahmen der Erde aus dem All, wenn die verblüffend dünne, fragile Atmosphäre des Planeten zu sehen ist oder an Eisberge, deren Masse sich etwa zweidrittel unter Wasser befindet.

 

Sofort entwickelt sich eine komplexe Bildsemantik, wenn einerseits die Ansicht von der Fläche in den Raum kippt, um wiederum zu einer flächigen Malerei zurückgeführt zu werden, die nichts weiter ist als abstrakte Malerei. Das künstlich Geschaffene wird der Natur entgegengesetzt, wobei die Natur selbst schon wieder Mimesis in Form von Fotografie ist. Natura naturans versus natura naturata. Margret Schopkas analytische Sichtweise hat hingegen nichts mit einer vermeintlichen romantischen Haltung zu tun. Nichtsdestoweniger sind ihre Arbeiten in der Lage, Orte magisch aufzuladen.

Dr. Stefani Lucci

 

 

Ausstellung in der Galerie Judith Dielämmer, Grevenbroich, 2014

Foto: Uwe Dressler

 

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© Margret Schopka