Herbarium 

.von einer 94-jährigen Freundin habe ich uralte Telefon-und Adressbücher bekommen, gefüllt mit gepressten Blumen und Blättern, in unregelmäßigen Abständen zwischen die Seiten gelegt. Jedes Öffnen einer Seite war eine staunende Überraschung. Manchmal lag dort ein feinziseliertes Blatt, manchmal nur ein winziges Kleeblatt, jede Entdeckung faszinierend und berührend. Diese Herbarien sind Sinnbilder des Vergänglichen - gedruckte Telefonbücher gehören der Vergangenheit an, Blüten und Blätter  vergehen.

Von diesem Herbarium habe ich mich inspirieren lassen.Meine Herbarien sind  auch Telefonbuchseiten mit Blüten und Blättern,  gehalten in schwarzer Tusche.

 

 

eine Seite des  Herbarium von Gisela

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

STRICKSTÜCKE

Meine Serie STRICKSTÜCKE; entstanden im Sommer 2019 in Stiflisdalur,  sind Stein- und Pflanzenlegearbeiten mit Materialien, die ich in Stiflisdalur gefunden habe und eine eigene

Sicht auf den Mikrokosmos Island werfen. Die Landschafts-Fotos zeigen den Blick aus unserem Haus und   spiegeln die Stimmung wieder, in der die Arbeiten enstanden sind.

 

Nicht nur den glücklichen Moment des Tuns will ich zeigen, auch die Unermesslichkeit der Schönheit.

 

 

Margret Schopka (temporäre Inszenierung) lenkt in bemerkenswerter Weise den Blick auf Mikro und Makro. Ihre Arbeiten sind konzeptionell und sinnlich zugleich und beschäftigen sich mit Landschaften im doppelten Wortsinn. Sie entnimmt ihrer Umgebung Material und Fundstücke und kreiert daraus neue Landschaften, die alsbald wieder dem Wandel und der Auflösung anheimfallen. Dieses Werden und Vergehen setzt Schopka nicht nur poetisch und feinsinnig um, ihre Art der temporären Kunst spiegelt zugleich Sichtweisen unserer Zeit.

Pressetext der GEDOK zu meiner Arbeit STRICKSTÜCKE

 Preisträgerin GEDOKFormART 2020 Elke und Klaus Oschmann Preis

 

 

STRICKSTÜCKE, Sand, Steine, Fischhaut , Fotografie

temporäre Inszinierung in einer Tischvirine

 

 

 

 

 

 

INTARSIA

 

Seit mehr als 20 Jahren arbeite ich  jedes Jahr in Island. Für in situ Arbeiten habe ich  Sand, Vulkanasche  entdeckt. So entstand die Serie „Intarsien“. Entstanden aus einer Landschaft im ständigen Wandel zeigen sie unwiederholbare Momente.

Stille und Einsamkeit, die Kraft der Natur und die Schönheit und Kargheit der Landschaft mit ihren besonderen Bergformationen reizen mich zu diesen minimalistischen Anmerkungen an die Natur.

 

For more than twenty years I have been working in Iceland each year.

Especially for in situ works I have discovered sand and coffeeground

That is how the series "Intarsia" was born. Created out of a landscape in constant change they represent unique moments in time.

The loneliness and tranquillity, the power of nature and the beauty and barrenness of the landscape with its exceptional mountain formations inspire my work as minimalistic comments thereupon.

 

 

Margret Schopka is working over the years in Nature and is using a very special medium. Her steps into the landscape and here in Iceland are very subtle. She uses her personal and very intimate print. She is the pattern or patterns walking into space with a lace.

The floral carpet she is using adds to these Icelandic landscapes a poetic song. On streets and paths, sometime on the snow she spreads her printings, often made of coffee ground, sand or similar material. Her personal sign says - here I am- and is a sign of human ephemeral life in this eternal countryside.

Carlotta Brunetti, Künstlerin

 

 

Wie teure Brüsseler Spitze ziehen sich filigrane Muster über glatte, sanft gewölbte Felsrücken, bis der Wind den schwarzen Sand  verweht. Üppig geschwungene florale Ornamente, gestreut aus Mehl, liegen matt-weiß auf glitzerdem Schnee, der seinerseits auf flachen Steinen ruht. Entlang der natürlich gewundenen Schneekante bildet das Ornament, das einem Musterkatalog von Renaissance-Textilien entlehnt sein könnte, eine sonderbare Einheit von Kunst und Natur, bis die Sonne den Schnee und damit das Kunstwerk zum Verschwinden bringt.

Auszug aus dem Artikel von Leonore Welzin, Journalistin, anl. meiner Ausstellung "Intarsia" im RAUM FÜR KUNST

 

Das Buch "Neuschnee" zum Projekt -Arbeiten in situ in Island-

12x16 cm, 30 Seiten

 

 

 

 

 

 

Experimente mit einer Tischdecke in Island von 2014 - 2018

 

 

  Foto: Heide Schimke

 

 

 

 

 

Arbeiten In situ mit Kaffeesatz  auf dem Weg und in Sils Maria, 2014 und 2017

 

Das Buch "auf dem Weg nach Sils Maria" , Arbeiten in situ mit Kaffeesatz

in Sils Maria-  2017, 12x16 cm, 30 Seiten

 

 

 

 

Fuglaþufa 2018, 2019, 2020

Fuglaþufa sind charakteristisch für Island und prägen die Landschaft des Landes. Sie sind weit sichtbar und krönen, wie Brustwarzen, Hügel und Berge. In hunderten von Jahren und durch Generationen von Vögeln, die ihren Schiss, durchtränkt von allerlei Samen, immer an den gleichen Stellen hinterlassen, enstehen diese wundersamen Gebilde aus Gras. Und wenn der Mensch nicht alles zerstört, so werden von den Vögeln im Laufe der Jahrtausende Türme errichtet.

 

 

 

Tischinstallationen "LANDNAHME" in Stiflisdalur/Island 2016-2019

 

 

 

 

 

BEI MEINEN FREUNDINNEN ZUM KAFFEE

 

Über den Zeitraum der Jahre 2012-2017 trinkt, siebt und fotografiert Margret Schopka „Kaffee“ im Rahmen ihrer aktuellen Work-in-Progress-Arbeit. Ihr Konzept  bedient sich eines Rituals: die Verabredung zum Kaffee mit der Freundin. Sie verabredet sich nicht am unpersönlichen Ort, sondern in der Intimität des Zuhause ihrer jeweiligen Gastgeberin. In der kurzen Zeitspanne, während der frische Kaffee zubereitet wird, siebt sie kalten Kaffeesatz über ein Tischtuch aus Spitze, das die Gastgeberin zur Verfügung stellt. Die Spitzendecke, ein Relikt feiner Tischkultur, wird zur Braunpause dieser Kunst-Schöpfung. Ähnlich der Schönheit und Flüchtigkeit eines Mandalas, entsteht ein filigranes Gebilde von vergänglichem Zauber. In Kaffeegeruch gebettete Begegnungsfreude oder schon ein Stück Erinnerung?

Die Freundinnen trinken zusammen Kaffee - für die Dauer der Kaffeepause existiert die Arbeit in situ. Dann wird sie fotografiert und weggefegt.

Susanne Geuer

 

Over the course of the year 2012-2017, Margret Schopka drinks, sieves, and photographs 'Coffee' as part of her most recent work-in-progress project. Her concept is based on a ritual – meeting up for a coffee with a friend. Rather than choosing an impersonal place for the meeting, she seeks the intimacy of the home of her respective hostess. While the fresh coffee is being prepared, she sifts cold coffee grounds over a lace table cloth that her host has provided. The lace cloth – a relict of fine table culture – is transformed into a printing screen for this art creation. Similar to the beauty and transience of a mandala, a filigree structure of ephemeral magic emerges.
The friends drink coffee together, and for the duration of the coffee break, the work exists in situ. Then it is photographed and swept away.
Susanne Geuer

 

bei Maresa, 2013

 

 

 

SOZIAL GEPRÄGTER NATURRHYTHMUS

Margret Schopka verwendet filigrane, nach strengen Regeln gehäkelte, dekorative Spitzendecken, wie wir sie von unseren Großmüttern her kennen. Sie übersetzt diese in das Medium einer Landartzeichnung. Schon seit einiger Zeit verarbeitet sie Naturmaterialien zu ornamentalen Teppichen und weitgreifenden Landschaftsarbeiten. Eine dunkelbraune Ornamentalik, entstanden aus Kaffeesatz von unzähligen Kaffees, den sie über Spitzendecken siebte. „Braunpause“ nennt sie die Züricher Arbeit der Serie „bei meinen Freundinnen zum Kaffee“ Der Farbkontrast des Kaffees zum Boden betont als Negativ die ornamentalen Gestaltungsprinzipien der Häkelspitze. Harmonisch verbindet die dunkle und duftende Zeichnung den Innen- und Außenraum. Tischkultur und Landartkunst, den Ort Remise und die Menschen hier und aktiviert Erinnerungen an das Zusammensein mit Freunden und Familie. Der Naturrhythmus wird topo-grafisch und sozial geprägt. Nur Fotos werden die Arbeit überdauern.

Sandra Winiger, Kunsthistorikerin und -vermittlerin, Kunsthaus Zug

Installation mit Kaffeesatz und Fotografie 2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Cafébesuche

IIch liebe es, auf meinen Reisen schöne Cafés zu besuchen, einen Capuccino zu trinken und während dieser Zeit ein kleines Gebilde aus Kaffeesatz zu streuen.Für einen kurzen Moment, verändere ich die Atmosphäre des Raumes. Vor dem Verlassen des Cafés zerstöre ich das  Gebilde, und es ist, als wäre es nie dort gewesen. Nur ein Foto überlebt.

 

 

 

 

 

 

 

 

AUF MEINEN WEGEN

 

Wenn  ich durch die Landschaft gehe, greife ich immer wieder minimalistisch in die Natur ein. Ich markiere Orte ,  hebe sie hervor und spüre ihren spezifischen Besonderheiten nach. Filigrane Muster aus Kaffeesatz  verändern für kurze Zeit einen Ort. Es bleiben nur fotografische Manifestationen.

 

 

Had I the heavens’ embroidered cloths,

Enwrought with golden and silver light,

The blue and the dim and the dark cloths
Of night and light and the half-light,
I would spread the cloths under your feet:
But I, being poor, have only my dreams;
I have spread my dreams under your feet;
Tread softly because you tread on my dreams.
(Yeats)

 

Das Buch zum Projekt "auf meinen Wegen"

12x16 cm, 30 Seiten

 

 

 

 

TRANSLUZID

Objekte aus Kaffeesatz, Blütenfolie, Gaze

 

 

 

 

 

Objekte aus Folien, Kaffeesatz, Rückseite von Teppichboden collagiert mit

Blütenblättern Spitzen, Plastikdecken,    2016/2018

 

Wandobjekt,  Blütenblätter auf Gaze collagiert,2019- 2020

 

 

 

 

 

 

1000BLUMENTEPPICHE

 

Den burgundischen Herzögen im 15. Jahrhundert schien das Paradies mit all den Blumen ihrer Welt auf Tapisserien und Teppichen weiter zu bestehen. In unseren Gärten aber erblühen fleischfressende Silikonhybride: Un-Fine Verdure. Wir erinnern uns , wie eine Liebes-Blume aussieht, aber  wir fragen, ob sie infektiös ist  und wie uns ihre Früchte gesonnen sein werden. Was transformiert sich nun auf der chymischen Grenzschicht der Teppiche, die wir ,wie im Alltag, lieber mit dem Boden von uns abgewandt wüssten? Die  Fleurs du Mal? Eine Spur des Guten* von Philipp? Dieses eigentümlich ausgeblichene Leuchten der Farben: Natürlich-morbide-künstlich-fahl.

Volker Hamann aus : Alchemistische Hochzeitsreise

 

 

Auf einfühlsame Weise verarbeitet Margret Schopka in ihren Arbeiten technisch erstellte Bodenbeläge, die sie „häutet“ und skelettiert und meist von der Unterseite zeigt. Die geschäumten, von Alterungs- und Nutzungsspuren gezeichneten Böden nimmt sie als Untergrund ihrer zarten, aus Blüten und Textilfragmenten erstellten Collagen. Großangelegte, zuweilen geometrische Formen konstatieren  mit spielerisch ausgelegten Arabesken oder floralen  Motiven. Trotz der im Objekt vereinten  Gegensätze strahlen gerade die als „Tausendblumenteppicheteppiche“ bezeichneten großformatigen Werke eine große Ruhe und auch Leichtigkeit aus. Verbundenheit mit Erden, Pflanzen und  dem Sein ist ein Kennzeichen dieser poetischen Werke.

Dr. PetraOeschlägel, Kunstmuseum Villa Zanders

 

 

Magret Schopka widmet ihre Arbeiten nicht nur einzelnen Blumen,vielmehr breitet sie ganze Blumenteppiche aus. Ihre 1000Blumenteppiche sind ein bewusster Rückgriff auf die in der Renaissance beliebten Mille Fleurs. Nun ist die Darstellungsweise Margret Schopkas aber nicht eine abbildnerische, sondern eine durch vorgefundene Materialien vermittelte.

Mit der Einfühlung in die Schönheit der Natur traditioneller Blumenlandschaften haben Schopkas Arbeiten nichts mehr zu tun.

Durch den freien Umgang mit industriell gefertigten Teppichböden bringt sie zum Einen Serielles ins Spiel und schafft zum Anderen überrraschende, sich im Imaginativen entfaltende

Wahrnehmungsmöglichkeiten. Die auf verschiedene Art, etwa durch Abschaben des Compactschaums oder hinzufügen echter Blumen, bearbeiteten Teppichböden erhalten einen neuen Bedeutungsinhalt.

Es entstehen Bilder auf der Kippe zwischen konkret Erkennbarem und Auflösung.

Dabei verfalten sich die Motive zu einem Geknäuel aus Abstraktion und Realismus, aus Horizontale, Vertikale und perspektivischer Illusion. Auf diese Weise ergeben sich spannungsgeladene Paradoxien. Denn der vermeintlich von paradiesischen Zuständen bestimmte Rückzugsort Natur, wird hier zum Ereigsnisfeld einer irritierend bewegten Kunstwelt, welche die Wahrnehmung des Betrachter ins rotieren bringt.

Udo Vogt, Kunstjournalist

 

 

    Ausstellung im Museum Zündorfer Wehrturm mit Pauline Ullrich

 

 

 

LICHTBILD.IS

 

Margret Schopka kombiniert  stimmungsvolle, wolkenverhangene Landschaftsfotografien mit Materialassemblagen, die die Eigenarten der jeweiligen Orte betonen. Margret Schopka schaut hierbei der Landschaft tief unter ihre dünne Haut, legt Schichtungen und Verwerfungen frei.

Erstaunlicherweise erinnert diese Perspektive an Aufnahmen der Erde aus dem All, wenn die verblüffend dünne, fragile Atmosphäre des Planeten zu sehen ist oder an Eisberge, deren Masse sich etwa zweidrittel unter Wasser befindet.

 

Sofort entwickelt sich eine komplexe Bildsemantik, wenn einerseits die Ansicht von der Fläche in den Raum kippt, um wiederum zu einer flächigen Malerei zurückgeführt zu werden, die nichts weiter ist als abstrakte Malerei. Das künstlich Geschaffene wird der Natur entgegengesetzt, wobei die Natur selbst schon wieder Mimesis in Form von Fotografie ist. Natura naturans versus natura naturata. Margret Schopkas analytische Sichtweise hat hingegen nichts mit einer vermeintlichen romantischen Haltung zu tun. Nichtsdestoweniger sind ihre Arbeiten in der Lage, Orte magisch aufzuladen.

Dr. Stefani Lucci

 

 

Ausstellung in der Galerie Judith Dielämmer, Grevenbroich, 2014

Foto: Uwe Dressler

 

 

 

 

Lüster in miNiATUR

ein Spiel mit einer zerbrochenen Weihnachtskugel,  Naturmaterialien und einem Kronleuchter

 

 

 

Die Schönheit der Vergänglichkeit  in 5 Bildern

 

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© Margret Schopka